Aktuelles

Ich informiere Sie an dieser Stelle regelmäßig über Neuigkeiten aus meiner Kanzlei sowie über interessante Urteile und Gesetzesänderungen. Schauen Sie doch öfter mal vorbei.

Corona-Pandemie

Auch während der durch den Coronavisrus Covid-19 ausgelösten Beschränkungen sind wir selbstverständlich für Sie da. Es besteht für Rechtsanwälte kein allgemeines Verbot, Mandanten zu empfangen, insbesondere nicht bei dringenden und unaufschiebbaren Angelegenheiten.

Aufgrund der seit 02.11.2020 geltenden verschärften Kontaktregeln wird in unseren Räumlichkeiten auf die besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen (Maske, Mindestabstand, Desinfektion und Lüften) noch mehr Wert gelegt. Dies bedeutet, dass Besprechungen mit mehreren Personen auf Mandantenseite nur noch im Ausnahmefall und mit vorheriger telefonischer Ankündigung durchgeführt werden.

Oktober 2020: Urteil des Monats

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat den Europäischen Gerichtshof (EuGH) mit Beschluss vom 29.09.2020 zu folgender Frage angerufen: Unterliegt der Urlaubsanspruch der gesetzlichen Verjährung von 3 Janren? (BAG, 29.09.2020, 9 AZR 266/20 (A), ArbRB Oktober 2020).

Hintergrund der Anfrage ist, dass zwei Kammern des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf hierzu gegenteilige Auffassungen vertreten.

Hinweis: Seit der Entscheidung des BAG vom 26.05.2020 (Az.: 9 AZR 259/19) ist höchstrichterlich klargestellt, dass ein Verfall des gesetzlichen Mindesturlaubs nur dann am Ende des Kalenderjahres bzw. des Übertragungszeitraums erfolgt, wenn ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmer rechtzeitig in die Lage versetzt hat, seinen Urlaubsanspruch wahrzunehmen und der Arbeitnehmer den Urlaub dennoch aus freien Stücken nicht genommen hat. In der Vergangenheit sind Arbeitgeber dieser Mitwirkungspflicht oft nicht nachgekommen. In dieser wahrscheinlich sehr häufig anzutreffenden Konstellation stellt sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichsam die Frage, ob der nicht verfallbare Urlaubsanspruch der Verjährung unterliegt.

September 2020: Urteil des Monats

Die Makenpflicht beim Besuch von Verkaufsstellen des Einzelhandels stellt nach Ansicht des Oberverwaltungsgerichts Hamburg einen verhältmäßigen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht und die allgemeine Handlungsfreiheit dar. Die in den Geschäften getroffenen Maßnahmen zur Abstandshaltung seien aufgrund der Aerosolbelastung in den Räumlichkeiten nicht ausreichend. Wer sich durch die Maskenpflicht gestört fühle, könne sein Einkaufsverhalten reduzierend steuern oder online einkaufen (OVG Hamburg, 21.07.2020, 5 Bs 86/20, ZAP 17/2020 v. 09.09.2020).

August 2020: Urteil des Monats

Beabsichtigt ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter außerordentlich zu kündigen, muss er dem Betriebsrat im Rahmen der Anhörung keine Informationen über die Kündigungserklärungsfrist geben. Die Überprüfung der Wirksamkeit der beabsichtigten Kündigung ist Aufgabe der Arbeitsgerichte, nicht des Betriebsrats (BAG, 07.05.2020, 2 AZR 678/19, ZAP 16/2020 v. 26.08.2020).

Juli 2020: Urteil des Monats

Soweit ein Arbeitnehmer in der Vergangenheit bereits einmal für einen Arbeitgeber tätig war (sog. Vorbeschäftigung), darf dieser ihn nur im äußersten Ausnahmefall später nochmals ohne Sachgrund befristet einstellen. Tut er es doch, besteht die Gefahr, dass der Arbeitnehmer bei Vertragsende eine sog. Entfristungsklage erhebt mit dem Ziel, das Bestehen eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses feststellen zu lassen. Eine Klausel im Arbeitsvertrag, wonach der Arbeitnehmer bestätigt, nicht zuvor bei dem Arbeitgeber in einem Arbeitsverhältnis gestanden zu haben, hilft dem Arbeitgeber im Falle einer Entfristungsklage nicht. Diese Klausel ist wegen Verstoßes gegen § 309 Nr. 12 b) BGB unwirksam (LAG Baden-Württemberg, 11.03.2020, 4 Sa 44/19, ArbRB Juli 2020).

Juni 2020: Urteil des Monats

Um die Urlaubsfreistellung in den Ferienmonaten gibt es zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern nicht selten Streit. Schließlich wollen fast alle zur Ferienzeit in den Urlaub, aber sämtliche Wünsche erfüllen kann kein Arbeitgeber. Ein findiger Mitarbeiter, der stets im August Urlaub nehmen wollte, verfiel auf eine aus seiner Sicht pfiffige Idee. Er beantragte bei seinem Arbeitgeber eine Arbeitszeitreduzierung um 1/12. Und der Wegfall des 1/12 Arbeitszeitdeputat sollte, Sie ahnen es, jeweils im August eines Jahres erfolgen. Das Landesarbeitsgericht Nürnberg sah hierin jedoch den Wunsch nach einer unzulässigen Rechtsausübung und wies den Teilzeitantrag dieser Gestalt ab, den der Mitarbeiter gerichtlich durchsetzen wollte (LAG Nürnberg, 27.08.2019, 6 Sa 110/19, ArbRB Juni 2020).

Mai 2020: Urteil des Monats

Nach Ansicht es Arbeitsgerichts Emden seien Arbeitgeber verpflichtet, ein objektives, verlässliches und für die Arbeitnehmer zugängliches System zur Erfassung der Arbeitszeiten einzurichten. Ein Bautagebuch, in welches ein Bauhelfer und sein Vorgesetzer gemeinsam dessen Arbeitbeginn und Ende eingetragen hatten, würde der Vorgabe der europäischen Arbeitszeitrichtlinie nicht genügen (ArbG Emden, 20.02.2020, 2 Ca 94/19, ArbRB Mai 2020).

Hinweis: Diese Entscheidung sollte insbesondere Arbeitgeber, die aktuell Kurzarbeit in ihrem Unternehmen eingeführt haben, aufhorchen lassen. Ohne stichhaltige Arbeitszeitdokumentation ist das exakte Ausmaß des Arbeitsausfalls schwer zu bewerkstelligen. Bei einer Prüfung seitens der Arbeitsagenturen besteht die Gefahr von Rückforderungen.

April 2020: Urteil des Monats

Kommunizieren Sie wie viele andere geschäftlich über "WhatsApp"? Dann dürfte Sie eine Entscheidung des Landgerichts Bonn interessieren. Dieses hat nämlich entschieden, dass man dann vor Einreichung einer Klage nicht nur seinen Briefkasten, sondern auch seinen Nachrichteneingang bei WhatsApp kontrollieren muss, ob der Schuldner auf ein aussergerichtliches Forderungsschreiben reagiert hat. Erkennt der Schuldner die Forderung über den gemeinsam genutzten Messenger-Dienstes an und Sie übersehen dieses Anerkenntnis und legen gleichwohl Klage ein, müssen Sie die Prozesskosten für den dann eigentlich unnötigen Rechtsstreit tragen (LG Bonn, 31.01.2020, 17 O 323/19).

März 2020: Urteil des Monats

Gemäß einem aktuellen Urteil des Landesarbeitsgerichts in Hamm ist eine pauschale Abgeltung von 15 Überstunden mit dem Gehalt zulässig. Voraussetzung ist aber, dass die Arbeitsvertragsklausel transparent ist, so dass der Arbeitnehmer weiß, was auf ihn zukommt (LAG Hamm, 11.12.2019, 6 Sa 912/19, ArbRB März 2020).

Februar 2020: Urteil des Monats

Das Arbeitsgericht in Berlin hat entschieden, dass ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter auch bei dessen dauerhafter Arbeitsunfähigkeit darauf hinweisen muss, dass seine Urlaubsansprüche möglicherweise verfallen. Der Arbeitgeber darf nicht erst seine Wiedergenesung abwarten. Der Fall: Eine Mitarbeiterin war von Mitte 2016 bis März 2018 arbeitsunfähig. Mit Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis zum 31.03.2018 machte sie Urlaubsabgeltungsansprüche für Urlaub aus dem Jahr 2016 mit dem Argument geltend, der Arbeitgeber habe sie seinerzeit in 2016 nicht über den möglichen Verfall der Urlaubsansprüche informiert. Die Berliner Richter gaben ihr Recht, denn der Arbeitgeber habe in 2016 nicht wissen können, wie lange die Arbeitsunfähigkeit der Mitarbeiterin dauern würde (ArbG Berlin, 13.06.2019, 42 Ca 3229/19, ArbRB Februar 2020).

Januar 2020: Neuer gesetzlicher Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn ist mit dem Jahresbeginn von 9,19 Euro auf 9,35 Euro gestiegen. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden (d.h. 173,32 Stunden monatlich) ergibt sich unter Zugrundelegung eines Stundenlohns i.H.v. 9,35 Euro brutto ein Monatsgehalt i.H.v. 1.620,54 Euro brutto.

Dezember 2019: Urteil des Monats

Streiten sich ein Arbeitnehmer und sein Arbeitgeber vor dem Arbeitsgericht um die Rechtmäßigkeit einer Kündigung, zieht sich der Rechtsstreit oft über den Ablauf der Kündigungsfrist hin. Der Arbeitnehmer kann zwar grundsätzlich auch für die Zeit nach Kündigungsauspruch seinen Urlaub einfordern und notfalls einklagen, aber nur solange eine Arbeitspflicht besteht. Dies ist erst einmal nur bis zum Ablauf der Kündigungsfrist gegeben (LAG Mecklenburg-Vorpommern, 12.09.2019, 5 SaGa 6/19, ZAP 23/2019 v. 04.12.2019).

November 2019: Urteil des Monats

Will ein Arbeitgeber eine sogenannte Verdachtskündigung aussprechen, muss er dem betroffenen Mitarbeiter vorab Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Das gilt insbesondere auch für eine außerordentliche Verdachtskündigung. Hier muss die Anhörung innerhalb sehr kurzer Zeit erfolgen (regelmäßig nicht mehr als eine Woche nach Kenntnis der zum Kündigungsentschluss führenden Umstände), weil hier die 2-Wochen-Ausschlussfrist (§ 626 Abs.2 BGB) zu wahren ist. Die Ausschlussfrist ist auch in dem Fall nicht verlängert, wenn der Arbeitnehmer arbeitsunfähig zu Hause ist. Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer grundsätzlich auch während dessen Erkrankung auffordern, sich zu dem Verdacht zu äußern (LAG Düsseldorf, 18.06.2019, 3 Sa 1077/18, ArbRB November 2019).

Oktober 2019: Urteil des Monats

Können Arbeitnehmer, die in einem Privathaushalt beschäftigt werden, Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz erwirken? Mit dieser Frage hatte sich das Landesarbeitsgericht Niedersachsen zu befassen. Es verneinte dies, weil aus seiner Sicht ein Privathaushalt keinen Betrieb im Sinne des Kündigungsschutzgesetzes darstelle. Es hat aber zu dieser Frage die Revision zum Bundesarbeitsgericht zugelassen (LAG Niedersachsen, 14.03.2019, 5 Sa 822/18, ZAP 20/2019 v. 23.10.2019).

September 2019: Urteil des Monats

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber doch beim Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern gelandet ist. Dieses hat entschieden, dass ein Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, dass sein Arbeitszeitkonto korrekt geführt wird. Er kann die Korrektur eines Fehlers verlangen und auch zulässigerweise gerichtlich geltend machen. Hintergrund ist, dass das Konto seinen Vergütungsanspruch quasi widerspiegelt (LAG Mecklenburg-Vorpommern, 19.03.2019, 2 Sa 11/18, ZAP 18/2019 v. 25.09.2019).

August 2019: Urteil des Monats

Wichtig zu wissen für alle Arbeitnehmer: Gehen Sie in Ihrer Arbeitspause spazieren um sich zu regenerieren, stellt dies dennoch keine betriebsdienliche Tätigkeit dar. Verunglücken Sie dabei, handelt es sich dementsprechend um keinen gesetzlich versicherten Arbeitsunfall (so Hessisches Landessozialgericht, 14.06.2019, L 9 U 208/17, ArbRB August 2019).

Juli 2019: Urteil des Monats

Soweit im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses ein Weihnachtsgeld bezahlt wird, ist diese Sonderzahlung regelmäßig als zusätzliche Vergütung der Arbeitsleistung zu bewerten. Will der Arbeitgeber mit dem Weihnachtsgeld andere Zwecke als die Vergütung der Arbeitsleistung verfolgen, etwa die Belohnung von Betriebstreue, muss dies deutlich aus der arbeitsvertraglichen Vereinbarung mit dem Mitarbeiter hervorgehen. Dann handelt es sich um eine Sondervergütung. Nach § 4a EFZG ist für Zeiten der Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit eine Vereinbarung über die Kürzung von Sondervergütungen zulässig, aber auch notwendig. Ein Weihnachtsgeld mit Entgeltcharakter darf hingegen - auch ohne gesonderte ausdrückliche arbeitsvertragliche Vereinbarung - für die Zeiten gekürzt werden, in denen aufgrund Arbeitsunfähigkeit kein Entgeltfortzahlungsanspruch bestand. Dies betrieft diejenigen Zeiten, in denen der Mitarbeiter länger als 6 Wochen krank ist und Krankengeld bezieht (LAG Niedersachsen, 07.01.2019, 7 Sa 490/18, ZAP 13/2019 v. 17.07.2019).

Juni 2019: Urteil des Monats

Soweit ein Arbeitgeber einen neuen Mitarbeiter für einen befristeten Zeitraum beschäftigen möchte, kann er dies grundsätzlich bis zu einer Dauer von 2 Jahren tun, ohne dass er eine Begründung für die Befristung benötigt. Ausnahme: Der Mitarbeiter war vordem schon einmal bei ihm beschäftigt. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hatte in 2018 entgegen der bisherigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) entschieden, dass es keine Vorbeschäftigungssperre von lediglich 3 Jahren gibt. Das Vorbeschäftigungsverbot sei grundsätzlich von wenigen Ausnahmen abgesehen absolut (BVerfG, 6.6.2018, 1 BvR 1375/14). Das BAG hat nun die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zu den Ausnahmetatbeständen konkretisiert. Eine Vorbeschäftigung bei demselben Arbeitgeber ist für eine sachgrundlose Befristungsmöglichkeit u.a. dann nicht zu berücksichtigen, wenn diese "sehr lange" zurückliegt. Bei einer im Kern ähnlichen Tätigkeit genügt ein Beschäftigungsabstand von 8 Jahren für die Annahme eines sehr langen Zeitraums jedoch noch nicht (BAG, 23.01.2019, 7 AZR 733/16, ArbRB Juni 2019).

Hinweis: Die rechtliche Bewertung kann bei einem Abstand von 8 Jahren anders ausfallen, wenn die Vorbeschäftigung "ganz anders" geartet ist als die vorgesehene Tätigkeit oder wenn sie von "sehr kurzer Dauer" war.

Mai 2019: Urteil des Monats

Ein Arbeitgeber und dessen Betriebsrat hatten in einer Betiebsvereinbarung (BV) vereinbart, dass der Betriebsrat vom Arbeitgeber grundsätzlich gleichzeitig zu allen Personalgesprächen, in denen es um arbeitsrechtliche Maßnahmen gegenüber Mitarbeitern geht, eingeladen wird. Nach einer späteren rechtlichen Prüfung teilte der Arbeitgeber dem Betriebsrat mit, die Regelung würde seiner Meinung nach gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer verstoßen. Es sei Sache der betroffenen Mitarbeiter, ob sie solche Personalgespräche mit Beteiligung eines Betriebsratsmitgliedes führen möchten oder nicht. Der Arbeitgeber beschied dem Betriebsrat, er würde ihn fortan nicht mehr hinzuziehen. Der Betriebsrat beantragte vergeblich unter Hinweis auf die BV weitere Einladungen zu den Disziplinargesprächen seitens des Arbeitgebers. Das Bundesarbeitsgericht erachtete die BV aus den selben Gründen wie der Arbeitgeber als unwirksam (BAG, 11.12.2018, 1 ABR 12/17, ZAP 09/2019 v. 13.05.2019).

April 2019: Urteil des Monats

Nimmt ein Arbeitnehmer Schmiergeld an, so ist er verpflichtet, seinem Arbeitgeber die erforderlichen Nachrichten zu geben, insbesondere auf Verlangen über den Stand des Geschäfts Auskunft zu erteilen und nach der Ausführung des Auftrags Rechenschaft abzulegen (LAG Köln, 31.10.2018, 6 Sa 652/18, ZAP 07/2019 v. 03.04.2019).

Anmerkung: Einem Schmiergeldempfänger kann - was im vorliegenden Fall auch geschehen ist - gekündigt werden. Auch wurde der Arbeitnehmer verurteilt, das Schmiergeld an den Arbeitgeber auszukehren.

März 2019: Urteil des Monats

Das Bundesarbeitsgericht hat seine Rechtsprechung zum Verfall von Urlaubsansprüchen radikal geändert. Bislang unrteilte das BAG so, dass der Urlaub - von Ausnahmen abgesehen - bis zum Jahresende genommen werden musste. Sonst verfiel er automatisch. Aufgrund von anderslautenden Urteilen des europäischne Gerichtshofs (EuGH) hat das BAG nun entschieden, dass der Verfall der Urlaubsansprüche zum Jahresende voraussetzt, dass ein Arbeitgeber seine Arbeitnehmer rechtzeitig und individuell über bestehenden Resturlaub und den möglichen Verfall bei Nichteinbringung informieren muss (BAG, 19.02.2019, 9 AZR 541/15, ArbRb März 2019).

Wichtig: Nach den Entscheidungen des EuGH gilt dies auch rückwirkend. Arbeitnehmer sollten daher prüfen, ob ihnen in der Vergangenheit ohne Hinweis Urlaubsansprüche gestrichen worden sind. Urlaubs- oder abgeltungsansprüche aus der Vergangenheit können wohl ohne zeitliche Beschränkung geltend gemacht werden.

Februar 2019: Urteil des Monats

Das Bundesverfassungsgericht hat zu der bei den Fachgerichten bislang umstrittenen Frage Stellung bezogen, ob eine Änderung in der Beurteilung der Erfolgsaussichten einer Klage im Laufe eines Gerichtsverfahrens die Gewährung von Prozesskostenhilfe (PKH) ausschließen darf. Dies wurde nunmehr verneint (BVerfG, 04.12.2018, 2 BvR 2726/17, ZAP 03/2019 v. 06.02.2019). Das heißt: Prozesskostenhilfe ist von den Gerichten dann zu gewähren , wenn eine Klage bereits aus der vorausschauenden Perspektive zum Zeitpunkt der Stellung des PKH-Antrags hinreichende Erfolgsaussichten hat.

Januar 2019: Urteil des Monats

Im Rahmen von Vergleichen, die vor den Arbeitsgerichten abgeschlossen werden, werden sehr häufig auf den Bruttobetrag lautende Abfindungszahlungen  vereinbart. Sofern der Arbeitgeber seiner Abrechnungs- und Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt, kann infolge der Bruttobetrag (und nicht nur das sich aus der Abrechung ergebende Netto) durch den Arbeitnehmer vollstreckt werden. Will der Arbeitgeber die Mehrzahlung dann doch vermeiden , muss er nachweisen, dass er die auf den Abfindungsbetrag entfallende Lohnsteuer pünktlich zum Fälligkeitszeitpunkt an das Finanzamt abgeführt hat (LAG Köln, 05.09.2018, 2 Ta 165/18, ZAP 01/2019 v. 04.01.2019).

Dezember 2018: Urteil des Monats

Soweit ein Arbeitsuchender aus eigener Initiative die Arbeitsagentur aufsucht, ist er auf dem Weg nicht unfallversichert. Anders aber, wenn er nach dem Aufnahmegespräch spontan zu einem halbstündigen Vermittlungsgespräch mit seinem Fallmanager gebeten wird. In dieser Konstellation liegt ein Arbeitsunfall vor, wenn dem Betreffenden auf dem Weg nach Hause ein Unfall widerfährt. Die Tatsache, dass der Hinweg nicht versichert gewesen ist, ist unerheblich (BSG, 19.06.2018, B 2 U 1/17 R, ZAP 23/2018 v. 05.12.2018).

November 2018: Urteil des Monats

Ein wichtiges Urteil des Europäischen Gerichtshofs: Wird der Urlaub von einem Arbeitnehmer lediglich nicht rechtzeitig beantragt, führt dies - anderes als nach bisheriger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts - nicht zum Verlust des Urlaubsanspruchs mit Ablauf des Kalenderjahrs. Arbeitgeber müssen von sich aus ihren Arbeitnehmern die Gelegenheit geben, ihren Urlaub einzubringen (EuGH, 6.11.2018, C-619/16, C-684/16, ZAP 22/2018 v. 21.11.2018).

Oktober 2018: Urteil des Monats

Die Erfassung der privaten Mobiltelefonnummer eines Arbeitnehmers gegen dessen Willen ist wegen des darin liegenden äußerst schwerwiegenden Eingriffs in das allgemeine Persönlichkeitsrecht grundsätzlich nicht zulässig. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn der Arbeitgeber ohne Kenntnis der Mobiltelefonnummer eine Aufgabe, für die er den Arbeitnehmer eingestellt hat, nicht, nicht vollständig oder nicht in rechtmäßiger Weise erfüllen kann und ihm eine alternative Arbeitsorganisation ohne Handynutzung nicht möglich oder nicht zumutbar ist (LAG Thüringen, 16.05.2018, 6 Sa 442/17, ZAP 20/2018 v. 24.10.2018).

September 2018: Urteil des Monats

Für einen Kraftfahrer ist die Benutzung eines Mobiltelefons verboten, es sei denn er nutzt etwa eine Freisprechanlage. Allerdings fand sich bislang in der hierzu einschlägigen Verbotsvorschrift (§ 23 Abs. 1a StVO) eine Regelungslücke. Und zwar für die Fälle, in denen das Mobiltelefon lediglich in der Hand gehalten, aber nicht telefoniert wurde. Das Oberlandesgericht Oldenburg weist aktuell darauf hin, dass nach aktualisierter Gesetzeslage seit 19.10.2017 jegliche Nutzung nur noch zulässig ist, wenn das Gerät weder aufgenommen noch gehalten wird. Einem Fahrer nützt also die Einlassung nichts mehr, die Polizei könne eine Verwendung des Telefons nicht belegen (OLG Oldenburg, 25.07.2018, 2 Ss (OWi) 201/18, ZAP 17/2018 v. 05.09.2018).

August 2018: Urteil des Monats

In Arbeits- und Tarifverträgen sind teilweise Regelungen enthalten, wonach sich ein Arbeitnehmer bei bestehenden Zweifeln an seiner grundsätzlichen Arbeitsfähigkeit auf Wunsch des Arbeitgebers einer amtsärztlichen Untersuchung zu unterziehen hat. Verweigert der Betroffene sich beharrlich, an dieser Untersuchung mitzuwirken, also den Amtsarzt aufzusuchen, kann dies eine fristlose Kündigung rechtfertigen (BAG, 25.01.2018, 2 AZR 382/17, ArbRB August 2018).

Juli 2018: Urteil des Monats

Hegt ein Arbeitgeber den dringenden Verdacht, dass ein Mitarbeiter eine Straftat begangen haben könnte, die bei Erweislichkeit eine (fristlose) Kündigung zur Folge hätte, darf er allein ob dieses Verdachtes kündigen. Allerdings muss er so weit wie möglich selbst erforschen, ob der Mitarbeiter wirklich als Täter infrage kommt. Auch muss der Arbeitgeber dem Mitarbeiter vor Ausspruch der Kündigung zwingend Gelegenheit zu einer Stellungnahme einräumen. Eine Fristsetzung von nur 2 Tagen zur Abgabe der Stellungnahme ist aber im Regelfall für eine wirksame Anhörung zu kurz (LAG Schleswig-Holstein, 21.03.2018, 3 Sa 398/17, ZAP 14/2018 v. 25.07.2018).


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